Farben tragen
Hin und wieder sehen wir einen Menschen und seine Art sich zu kleiden beeindruckt uns. Er hat "Stil". Wir wissen nicht warum, aber die Methode, wie er verschiedene Kleidungsstücke, Materialien, Stoffe und Farben kombiniert, wirkt auf uns. Und manchmal denken wir: Solch eine Wirkung möchte ich auch erzielen, so möchte ich mich auch kleiden können.
Dieses innere Gespür dafür, was zusammenpaßt, es läßt sich leider nur schwerlich lernen. Ausgeprägtes Stilempfinden ist etwas besonderes und nicht ohne Grund werden gute Stylisten und Designer sehr gut bezahlt. Doch auch für alle anderen naht Hilfe: einfache, klare Regeln, die einen Großenteil des "Stilgefühls" greifbar machen. Es gibt sie. Ein paar davon werde ich in diesem Artikel formulieren.
Der eine oder andere von euch hat vielleicht schon die Regel "Trage niemals mehr als zwei Farben" gehört. Ein guter Ratschlag, ganz sicher. Aber doch etwas wenig als einziger Anhaltspunkt. Ich werde das Thema hier deutlich breiter behandeln.
Zunächst teilen wir die Farben in drei Klassen ein: kraftvolle Farben, sanfte Farben und Grautöne. Um was es sich dabei handelt wird mit ein paar Beispielen schnell klar:
Kraftvolle Farben
Als "kraftvoll" gelten im Rahmen des Stilempfindens all die Farben, welche sich in den Vordergrund drängen. Es sind Farben, die gerne allein stehen wollen. Die "Signalefarbe Nummer 1" Rot, gehört ganz sicher dazu. Aber auch Orange, Gelb, Grün oder Lila sind dabei. Eigentlich alle klaren Farben die der Tuschkasten eines Grundschülers hergibt, kann man zu den kraftvollen Farben zählen - außer Blau. Blau nimmt eine Sonderstellung ein. Wenn zwei kraftvolle Farben aufeinander treffen, dann beginnen sie einen Kampf um die Vorherrschaft - zwei Alphas in einem Raum. Da schafft Unruhe, Spannung, Unausgewogenheit - Punkte die wir in unserem Outfit vermeiden wollen. Daraus ergibt sich die erste Regel:
1) Trage nie mehr als eine kraftvolle Farbe.
Beispiel: Wenn du ein rotes T-Shirt trägst, ziehe keine grüne Hose an (Ja, sowas habe ich in den 90ern gesehen!)
Sanfte Farben
Mit dem Wort "sanft" als Bezeichnung dieser Farben wird gleich schon ihre Eigenart im Styling deutlich: Sie legen sich mit niemandem an; man kann sie leicht mit anderen Farben zusammenführen. Typische sanfte Vertreter sind Beige, Braun und auch Blau. Es mag verwundern, dass die Primärfarbe Blau in den sanften Bereich fällt - sie ist doch durchaus kraftvoll. Vielleicht liegt es daran, dass wir Menschen einen besonderen Bezug zum blauen Himmel haben. Vielleicht liegt es an der starken Verbreitung der Blue Jeans. Was auch immer es ist - nicht ohne Grund hat Microsoft sein Office hellblau eingefärbt und nicht etwa hellgrün, zitronengelb oder hellrot (sprich rosa). Heute kann man Jeans zu fast allem tragen und genau dies gilt für alle sanften Farben. Auch Goldtönen fallen in diese Kategorie.
2) Trage nie mehr als zwei Farben (sanfte und kraftvolle zusammengezählt).
Beispiel: Du kannst zu eine beigen Hose ein blaues Hemd tragen oder zu Blue Jeans ein gelbes T-Shirt. Aber trage nicht braune Schuhe, blaue Hose und beiges Hemd auf einmal.
Grautöne
Und dann gibt es da noch die "Nichtfarben", sprich alle farblosen Töne, von Weiss über Hellgrau, Mittelgrau, Dunkelgrau bis Schwarz. Auch Silber gehört dazu obwohl es ein echter Hingucker sein kann. Diese "Farben" sind extrem einfach, da sie noch geringere Ansprüche stellen als die sanften Farben. Aus diesem Grund haben es sich viele einfach gemacht und tragen einfach immer nur Schwarz. Sicher, das ist Chic und viele Designer halten nach wie vor daran fest. Aber auch viele dicke Frauen tragen nur Schwarz, da es "schlank" macht. Und mit denen wollen wir sicher nicht in einen Topf geworfen werden. Daher dienen uns die Grautöne als willkommene Füllmittel um den Körper zu bedecken, aber nur in Ausnahmen als einzige Farbe.
3) Der erste Grauton ist kostenlos, weitere zählen in Regel 2.
Beispiel: Wenn du Blue Jeans und rotes T-Shirt trägt, kannst du dazu schwarze Schuhe und Jacke oder weiße Schuhe und Jacke gut tragen. Wenn du bereits schwarz und weiss eingeplant hast, darfst du maximal noch eine kraftvolle Farbe hinzufügen: gelb, grün, orange - alles geht. Trägst du schwarze schuhe, graue Hose und weißes Hemd, ist das schon genug an "Farbtönen".
Aus den (ersten) drei Regeln ergeben sich unsere möglichen Farbkombinationen. Doch wie verteilen wir diese nun an unserem Körper? Was gibt es da an Plätzen? Die wesentlichen sind: Schuhe, Hose, Oberteil. Ergänzt wird das Ganze durch Jacke, Mütze oder Hut, Gürtel, Hemd, Socken. Eine alte Regel besagt "Trage Gürtel und Schuhe in einer Farbe". Das ist sicher auch wieder ein guter Tipp. Allerdings ist er hinfällig, wenn das T-Shirt oder Hemd locker über der Hose getragen wird. Zur Farbaufteilung gibt es zwei klassische Methoden:
4) Verteile deine beiden Farben "Oben - Unten" oder (in meinen Augen noch besser) "Hose - Schuhe und Oberteil".
Beispiel: Du kannst schwarze Schuhe mit einer schwarzen Hode kombinieren und dann ein beliebiges Hemd dazu tragen. Oder du nimmst ein weisses Hemd und weisse Schuhe und dazwischen kommt eine Hose in blau oder schwarz oder sogar grün. Unsere Gürtel-Regel von oben ist quasi eine Variante des zweiten. Im letzen Beispiel wären Schuhe und Gürtel weiss und Hemd und Hose blau - oder umgekehrt.
Zu guter letzt kommen noch die Akzente: Du solltest die einzelnen Farben in den Accessoires aufgreifen. Ich habe schon so oft Frauen gesehen, deren Regenschirm farblich zu ihren Schuhen paßt. Man stelle sich das vor: Draussen ist Mistwetter und die Damen achten trotzdem noch darauf, dass alles optisch paßt - man muss sie einfach lieben! Der Gürtel war schon ein Beispiel in diese Richtung. Die Uhr ist ein weiteres: Braune Lederschuhe und dazu ein braunes Lederarmband an der Uhr, klasse.
Was trage ich nun also?
Ein paar Beispiele:
a) Blaue Jeans, rotes T-Shirt, weiße Jacke, rot / weiße Schuhe :
1) kraftvolle Farbe : Rot
2) zwei Farben: Rot, Blau
3) kostenloser Grauton : Weiss
4) Verteilung: Schuhe spiegeln Oberteil + Jacke
- Selbstbewußtes Freizeitoutfit
b) Beiger Anzug, braune Schuhe, brauner Gürtel, weißes Hemd :
1) keine kraftvolle Farbe
2) zwei Farben: Beige, Braun
3) kostenlos: Weiss
4) Verteilung: Gürtel wiederholt Schuhe, Jacket wiederholt Hose, Hemd lockert auf
- Sommerliches Business-Outfit
c) Schwarze Schuhe, schwarze Hose, schwarz-weiss karriertes Hemd :
1) keine kraftvolle Farbe
2) keine Farben
3) kostenlos: Schwarz, eine Farbe: Weiss
4) Verteilung: Hose und Schuhe gehören optisch zusammen
- Ein minimalistisches Outfit (es sind noch Farben "über"), welches durch das Musters im Hemd wirkt.
Mit dem letzten Beispiel wollte ich es noch einmal deutlich zeigen: Die Regeln definieren Obergrenzen. Ganz in schwarz oder - viel mehr noch - ganz in weiss ist nach wie vor eine Möglichkeit. Auch dürfen weitere Farben in der Kleidung auftauchen, solange sie nur eine kleine Fläche einnehmen, zum Beispiel als Punkte oder Streifen auf Hemd oder Krawatte. Sicher kann man auch grün und gelb gleichzeitig tragen - Millionen brasilianischer Fussballfans machen es vor. Doch damit es stilvoll wirkt, ist das gewisse Feingefühl oder einfach die passende Gelegenheit erforderlich. Auf der sicheren Seite ist man mit den hier genannten Regeln.
Viel Erfolg, Euer Quex
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